
Die Stadt steht kurz davor, belagert zu werden. Es gibt nichts mehr zu essen und auch Waffen sind Mangelware. Darüber hinaus hat der Feind geschworen, jeden einzelnen Einwohner abzuschlachten. Die Stadt braucht also ein Wunder, doch sie hat nur Orhan. Als Ingenieur hat Oberst Orhan mehr Erfahrung im Brückenbau als in der Kriegsführung. Ausserdem ist er ein Betrüger und Lügner und hat ein ernsthaftes Problem mit Autorität. Mit anderen Worten: Er ist wie geschaffen für den Job! Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen, ist die Geschichte von Orhan, dem Sohn von Siyyah Doctus Felix Praeclarissimus, und über die Grosse Belagerung. Niedergeschrieben allein zu dem Zweck, dass die Taten und Leiden grosser Männer niemals vergessen werden.
Rezension
Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen von K. J. Parker ist ein faszinierender und gleichzeitig skurriler Blick auf Krieg, Strategie und die oft absurde Realität, in der sich Menschen in Extremsituationen wiederfinden. Der Roman entführt die Leser in eine Welt, in der eine Stadt unter Belagerung steht und verschiedene Perspektiven auf das Thema der Verteidigung von Mauern und der Überlebenskunst geboten werden. Doch anders als viele klassische Fantasy-Romane, bei denen Schlachten und epische Kämpfe im Mittelpunkt stehen, geht es in diesem Buch weniger um den Kampf an sich als vielmehr um die Denkprozesse und die politischen Intrigen, die ihn begleiten.
Mit der Belagerung setzt Orhan, der Ich-Erzähler des Buchs, die verschiedenen Methoden zur Verteidigung einer befestigten Stadt ein. Gleichzeitig hinterfragt er dabei die verschiedenen Taktiken und Schwächen der Stadtverteidigung, und zwar in einer Tonalität, die von Humor und Ironie durchzogen ist. Es ist ein unkonventioneller Zugang zum Thema Krieg, der sich von traditionellen militärischen Erzählungen unterscheidet. Dennoch bleibt die Erzählweise zugänglich, da sie mit einer Prise Humor und einer gehörigen Portion schwarzem Witz angereichert ist.
Ein herausragendes Merkmal des Buches ist seine Reflexion über die politische Dimension von Belagerungen. Es geht nicht nur um die militärische Strategie, sondern auch um die Verhandlungen, den Verrat und die psychologischen Spielchen, die innerhalb der Mauern und hinter den Kulissen stattfinden. Parker zeigt auf, wie sehr solche Konflikte von den Entscheidungen der Führungskräfte und den oft widersprüchlichen Interessen der verschiedenen Fraktionen abhängen. Die Erzählung betont, wie wichtig es ist, Menschen zu kennen, ihre Motivationen zu verstehen und wie Machtspiele die scheinbar stabilsten Strukturen zerstören können.
Die Charaktere in Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen sind nicht unbedingt die klassischen Helden oder Schurken, sondern vielmehr Protagonisten, die in einer von Opportunismus, Feigheit und Eigeninteresse geprägten Welt agieren. Die handelnden Figuren sind oft pragmatisch, bisweilen rücksichtslos, und manchmal zu zynisch, um als moralische Vorbilder durchzugehen. Diese Komplexität der Charaktere und ihre Ambivalenz tragen dazu bei, dass der Leser immer wieder hinterfragen muss, wer eigentlich „die Guten“ sind.
Sechzehn Wege, eine befestigte Stadt zu verteidigen ist ein Buch, das zum Nachdenken anregt und die Leser dazu zwingt, ihre Sicht auf Krieg, Politik und das Überleben in extremen Situationen zu hinterfragen. Dabei schafft K.J. Parker es, das Thema der Belagerung auf eine Art und Weise zu behandeln, die sowohl intellektuell spannend als auch humorvoll ist.
Insgesamt ein faszinierendes Buch, das nicht jeder Leser mögen wird, aber für diejenigen, die eine differenzierte, weniger konventionelle Herangehensweise an das Thema Krieg und Strategie zu schätzen wissen, ein echtes Leseerlebnis darstellt.
Achtung: Ab hier Spoiler und persönliche Meinung!
Warum 4 Sterne?
Die Erzählweise aus der Ich-Perspektive ist für Fantasy-Bücher eher ungewöhnlich und kann für einige Leser gewöhnungsbedürftig sein. Man wird eher schrittweise in die neue Welt eingeführt und vieles bleibt unerklärt und angedeutet. Da es für den Rest der Handlung nicht relevant ist, ist das okay – damit bleibt der Weltenbau aber auch überschaubar. Magie gibt es keine. Der „Fantasy-Aspekt“ beschränkt sich hier auf die verschiedenen Völker und die andere Welt.
Viele Pluspunkte gibt es für den beissenden, teilweise schon makabren Humor und die Idee der Geschichte. Ich habe es wirklich genossen, mal einen Stand-alone-Roman aus der Sparte Fantasy zu lesen, der in beschränkter Seitenzahl (ca. 350) eine ganze Geschichte erzählt. Ja, das Ende lässt viele Fragen offen und bietet keine klare Auflösung – es könnte also eine Fortsetzung geben. Für mich hat es aber so gepasst und sich stimmig in die Erzählung eingereiht.
Von meiner Seite aus deshalb eine klare Empfehlung für Fans von militärischer Strategie und Taktik, die sich zwischendurch auf eine überschaubare neue Welt einlassen können. Dafür wird die Geschichte mit Humor à la Pratchett erzählt und bietet unterhaltsame Plot-Twists.
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