
Rumo, der junge Wolpertinger aus »Die 13 ½ Leben des Käpt’n Blaubär«, macht sich selbstständig und geht seinen eignen Weg durch den gefährlichen Kontinent Zamonien. Er folgt dem Silbernen Faden, einer Geruchsspur, die nur er wittern kann und an deren Ende Rumo das Glück vermutet. Auf seiner abenteuerlichen Reise durch zwei höchst unterschiedliche Welten begegnet er Teufelszyklopen und Mondlichtschatten, den Kupfernen Kerlen und den Toten Yetis. Rumo lernt das Kämpfen, die Liebe, die Freundschaft und das Böse kennen, es verschlägt ihn in den geheimnisvollen Nurnenwald, in die legendären Untenwelt und in das Theater der Schönen Tode; er erfährt von den Unvorhandenen Winzlingen, von den Belagerungen der Lindwurmfeste, von Professor Dr. Abdul Nachtigaller und seinem Schubladenorakel – und Rumo findet endlich zu Rala, die ihm die Wunder im Dunkeln zeigt.
Rezension
Rumo & die Wunder im Dunkeln von Walter Moers ist ein faszinierendes und farbenfrohes Werk, das den Leser in eine fantastische Welt entführt, die zugleich skurril, humorvoll und tiefgründig ist. Der Roman, der im fiktiven Kontinent Zamonien spielt, erzählt die Geschichte von Rumo, einem jungen Wolpertinger, der eine abenteuerliche Reise von der Unwissenheit zur Selbstfindung durchlebt.
Moers gelingt es meisterhaft, eine Welt zu erschaffen, die in ihrer Detailverliebtheit und Fantasie ihresgleichen sucht. Die Vielfalt der Kreaturen, Landschaften und Kulturen auf Zamonien ist beeindruckend und zeigt das außergewöhnliche Talent des Autors, Geschichten auf eine visuell reiche und komplexe Weise zu weben. Dabei nimmt Moers oft Bezug auf die Literaturtradition und baut zahlreiche humorvolle und subtile Anspielungen auf klassische Erzählformen ein. Der Schreibstil ist dabei stets verspielt, reich an Wortwitz und cleveren Metaphern, was den Text nicht nur für junge Leser, sondern auch für Erwachsene zu einem unterhaltsamen Erlebnis macht.
Der Protagonist Rumo ist ein äußerst sympathischer Charakter, der sowohl seine Schwächen als auch seine Stärken auf eine sehr menschliche Weise zeigt. Im Laufe der Geschichte entwickelt er sich von einem unbedarften, kindlichen Wesen zu einem starken und selbstbewussten Helden. Seine Reise ist nicht nur körperlicher Natur, sondern auch eine Reise zu sich selbst, was dem Buch eine tiefere philosophische Dimension verleiht. Rumo ist in vielerlei Hinsicht ein klassischer Held, der sich mit allerlei Herausforderungen konfrontiert sieht – von finsteren Kreaturen über moralische Dilemmata bis hin zu komplexen zwischenmenschlichen Beziehungen.
Das Buch ist in viele kleine Erzählstränge unterteilt, was dem Leser erlaubt, in verschiedene Aspekte der zamonischen Welt einzutauchen und gleichzeitig ein Gefühl für die Entwicklung von Rumo zu bekommen. Besonders hervorzuheben ist die Fähigkeit Moers, nicht nur eine spannende Geschichte zu erzählen, sondern auch eine Vielzahl von Themen zu behandeln – von Freundschaft und Loyalität bis hin zu Gewalt, Selbstbestimmung und die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt.
Ein weiteres Highlight sind die vielen Illustrationen im Buch, die die Geschichte visuell bereichern. Moers hat nicht nur ein talentierter Erzähler, sondern auch ein begabter Zeichner, und seine skurrilen Illustrationen tragen zur Atmosphäre und zum Charme des Werkes bei.
Rumo ist ein Meisterwerk der Fantasie, das humorvolle Abenteuer, tiefgründige Themen und ein außergewöhnliches Setting miteinander verbindet. Es ist eine Geschichte, die nicht nur jüngere Leser verzaubern wird, sondern auch Erwachsene zum Nachdenken anregt. Ein einzigartiges Buch, das in seiner Reichhaltigkeit und Originalität unübertroffen bleibt. Wer auf der Suche nach einer literarischen Entdeckung ist, die sowohl unterhält als auch zum Staunen anregt, sollte Rumo unbedingt lesen.
Achtung: Ab hier Spoiler und persönliche Meinung!
Warum 4.5 Sterne?
An einigen Stellen stockt die Erzählung, da Moers teilweise zu ausschweifend beschreibt und sich die eigentliche Handlung nicht schnell genug vorwärts entwickelt. Ausserdem kann der Schreibstil für neue Moers-Leser:innen gewöhnungsbedürftig sein.
Diese Kleinigkeiten werden aber durch das gute Schreibhandwerk überwogen: Ein grosses Plus ist sicherlich Zamonien als Welt – es ist einfach wunderbar, was Moers sich hier aus dem Kopf zaubert. Ich habe ausserdem die traditionelle Charakterentwicklung von Rumo hin zu einem „klassischen“ Helden – obwohl absehbar – sehr gemocht. Mich überzeugt dieser Handlungsstrang einfach aufgrund seiner Schlichtheit. Zudem finde ich, dass Rumo viele tiefgründige Themen behandelt und so eigentlich zu jeder Zeit gerne wieder einmal in die Hand genommen werden kann. Für mich eines der besten Bücher, die Moers geschrieben hat.
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