
Die Universität von Imre ist weithin bekannt für ihre Gelehrsamkeit. Die besten Köpfe zieht sie an, die Rätsel der Wissenschaft, des Handwerks und der Alchemie zu entschlüsseln. Aber tief unter dem lebendigen Treiben in ihren Hallen erstreckt sich ein Netz verlassener Räume und alter Gänge. Im Herzen dieses höhlenartigen Labyrinths lebt das Mädchen Auri. Das »Unterding« ist ihr Zuhause.
Die kalte, trügerische Rationalität der Menschen, die über ihr leben, hat sie hinter sich gelassen und sie dringt tief in das Geheimnis der Dinge ein. Eine Geschichte voll betörender Bilder und magischer Spuren, wie sie nur Patrick Rothfuss erzählen kann.
Rezension
„Die Musik der Stille“ von Patrick Rothfuss ist ein eindrucksvolles und tiefgründiges Werk, das die Fans der „Königsmörder-Chronik“ mit einer völlig neuen Perspektive auf die Welt von Kvothe und seiner Reise überrascht. In diesem kurzen, aber dennoch kraftvollen Buch widmet sich Rothfuss einem der mysteriöseren Charaktere aus seiner Hauptreihe: Auri.
Auri, die exzentrische, fast elfenhafte Figur, die in den Ruinen der Universität lebt, wird hier zum Mittelpunkt der Erzählung. „Die Musik der Stille“ ist eine Art poetischer Monolog, der aus Auris Sicht erzählt wird. Die Geschichte folgt ihrem inneren Dialog und ihrer Reise durch das Labyrinth unter der Universität, während sie mit den Geheimnissen und den stillen Rhythmen ihrer Welt konfrontiert wird. Es ist weniger eine „traditionelle“ Geschichte als vielmehr eine Meditation über Einsamkeit, Existenz und die Suche nach Harmonie in einer chaotischen Welt.
Viel mehr lässt sich über das Buch nicht sagen – wer es gelesen hat, weiss, wieso.
Achtung: Ab hier Spoiler und persönliche Meinung!
Warum 5 Sterne?
Rothfuss schafft es meisterhaft, eine nahezu magische Atmosphäre zu erzeugen. Die Sprache ist poetisch und bildgewaltig, was den Leser tief in die Gedanken und die Wahrnehmung von Auri eintauchen lässt. Jede Szene ist von einer besonderen Stille durchzogen, die fast greifbar wird, während Auri in ihrer Welt aus Wunder und Eigenheiten lebt. Ausserdem erhält hier eine der faszinierendsten Figuren in Rothfuss‘ Universum die Möglichkeit, sich vollständig zu entfalten.
Das Buch geht auf sehr subtile und nachdenkliche Weise auf Themen wie Einsamkeit, innere Ruhe und die Suche nach einem Gleichgewicht in der Welt ein. Es ist kein actiongeladener Thriller, sondern eine stille, fast meditative Erzählung, die tief in die Psyche der Figur eindringt und den Leser zum Nachdenken anregt.
„Die Musik der Stille“ ist ein einzigartiges, experimentelles Werk, das sich weit von den typischen Fantasy-Erzählungen entfernt und stattdessen eine introspektive, lyrische Reise in die Seele einer der mysteriösesten Figuren von Patrick Rothfuss bietet.
Für Leser, die mehr von der epischen Erzählweise von Rothfuss erwarten, könnte das Buch schwer zugänglich und unbefriedigend sein. Es gibt weniger bzw. so gut wie keine relevante Handlung und diese trägt auch nicht zur Hauptgeschichte von Kvothe und der „Königsmörder-Chronik“ bei.
Wer hingegen auf der Suche nach tiefgründigen, nachdenklichen Geschichten ist und bereit ist, sich in eine ruhige, fast meditative Erzählweise einzutauchen, wird von diesem Buch sicherlich berührt sein. Für mich eines der besten literarischen Werke der Gegenwart.
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